Erbsen in Mischkultur mit Leindotter

Interview mit Dr. Aaron Breivogel (Deutsche Amphibolin-Werke, DAW SE) zum Anbau von Erbsen und Leindotter für die Farbenherstellung

Sie beschäftigen sich als Baufarbenhersteller mit dem Anbau von Erbsen und Leindotter, was ist der Hintergrund des vom Bundesumweltministerium geförderten Projektes?

Ziel des Projektes ist die Stärkung der Biodiversität durch den Mischfruchtanbau von Erbsen und Leindotter.  Zudem wird eine Lieferkette vom Feld bis hin zum Endprodukt aufgebaut, sodass der gewonnene Leindotter letztendlich als Rohstoff für nachhaltige Holzveredelungsprodukte verwendet werden kann.

Seit wann läuft das Projekt? Wie viel Flächen werden im Rahmen des Projektes angebaut?

Das Projekt startete am 01.01.2018 und läuft noch bis 31.12.2022. Ziel für 2018 ist eine Mischfruchtanbaufläche von 80 Hektar. Erfreulicherweise haben wir in diesem Jahr sogar 195 Hektar erreicht. Bis 2022 sollen 1000 Hektar angebaut werden.

Wer sind Projektpartner entlang der Wertschöpfungskette?

Projektpartner sind einerseits die Landwirte, die den Mischfruchtanbau durchführen. Zudem eine Trennanlage, die das Erbsen-Leindotter-Gemenge trennt, eine Ölpresse, die Leindotter zu Öl abpresst sowie unser langjähriger Partner Worlée Chemie GmbH, die das Leindotteröl zum Bindemittel veredelt, woraus DAW Holzveredelungsprodukte macht.

Wo liegen die Flächen, auf denen die Erbsen-Leindotter-Gemenge angebaut werden?

Ein Großteil der Flächen liegt aktuell in Brandenburg, da wir zunächst eine lokal funktionierende Wertschöpfungskette aufbauen wollen. Das vereinfacht den Informationsaustausch zu Anbaudetails unter den Landwirten und ermöglicht kurze Transportwege von den Feldern zur Trennanlage.

Erbsen werden für die Ernährung von Mensch und Tier angebaut, z. T. auch für die Industrie, wofür wird Leindotter verwendet?

Ziel des Projektes ist die Verwendung des Leindotters als Rohstoff für nachhaltige Holzveredelungsprodukte. Das sind Lasuren und Holzöle, die die Lebensdauer von Holzfassaden, -zäunen und –Terrassen erhöhen. Der bei der Ölpressung anfallende Presskuchen kann als Futtermittel verwendet werden.

Was ist der Vorteil beim Anbau von Leindotter in Mischkultur mit Erbsen? Warum ausgerechnet in Kombination mit Erbsen?

Der Mischfruchtanbau von Leindotter mit Erbsen hat den Vorteil, dass der Erbsenertrag im Vergleich zum reinen Erbsenanbau im Idealfall nicht vermindert wird. Die Kombination mit Leindotter bietet einen höheren Gesamtertrag pro Fläche verglichen mit reinen Erbsenflächen.

Welche ökologischen Vorteile bietet der Mischfruchtanbau?

Aufgrund seiner Seltenheit steht Leindotter auf der Roten Liste der bedrohten Nutzpflanzen in Deutschland. Zudem blüht Leindotter in einer Zeit, in der sonst wenig blüht in der großflächigen, konventionellen Landwirtschaft. Somit bietet er während seiner Blütezeit durch seine gelben Blütenstände bedrohten Insekten wie Wildbienen eine Nahrungsquelle. Nicht zuletzt wirkt Leindotter Unkraut unterdrückend, wodurch weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen.

Nach der Ernte müssen Erbsen und Leindotter getrennt werden, wer stellt die Logistik hierfür bereit?

Unser langjähriger Partner Worlée Chemie GmbH organisiert sowohl die Trennung des Saatgutgemisches als auch das Pressen des Leindotters zum Öl. Darüber hinaus organisiert Worlée die Vermarktung des wertvollen Leindotter-Presskuchens.

Wie hoch ist die Ausbeute an Leindotter pro Hektar, wieviel Holzschutzlasur kann hieraus etwa hergestellt werden?

Die Ausbeute pro Hektar ist stark abhängig von lokalen Gegebenheiten, wie z. B. Bodenbeschaffenheit und Niederschlag. Wir rechnen im Schnitt mit etwa 600 kg Leindotter pro Hektar. Nach dem Abpressen des Öls und der Veredelung zum Bindemittel lassen sich daraus Lasuren im Tonnenmaßstab herstellen.

Können noch weitere Landwirte mit dem Anbau von Erbsen und Leindotter in das Projekt einsteigen?

Definitiv! Wir sind auf der Suche nach interessierten Landwirten, die den Mischfruchtanbau durchführen, um die Wertschöpfung auf ihren Feldern zu erhöhen und um die Biodiversität großflächig zu stärken. Wir wollen das Ziel von 1000 Hektar Mischfruchtanbau bis 2022 erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Breivogel.

Das Interview führte Kerstin Spory