Schädlinge

Grüne Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum)

Bedeutung

Die Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum) tritt vor allem an Erbsen auf. Sie ist aber auch an Ackerbohnen, Linsen und Feinleguminosen zu finden. Die Läuse werden bis zu 4,5mm groß und haben einen gelben bis hellgrünen Körper, ihre Gliedmaßen und Fühler sind bräunlich, die Augen dunkelrot. Zuweilen treten auch rötlich gefärbte Varianten auf. Es treten sowohl geflügelte als auch ungeflügelte Varianten auf, die vor allem an jungen Blättern, Blütenansätzen und Triebspitzen lockere Kolonien bilden. Im Frühjahr fliegen geflügelte Exemplare von Mai bis Juni in die Leguminosenbestände ein, wo die ersten Generationen flügelloser Läuse geboren werden. Im Laufe des Sommers werden sowohl geflügelte als auch flügellose Tiere geboren. Bei kürzer werdenden Tagen im Herbst werden auch männliche Tiere geboren. Nach deren Paarung mit einem Weibchen legt dieses dann befruchtete Eier an überwinternde Leguminosen. Aus diesen Eiern schlüpft dann im Frühjahr die erste Generation des Folgejahres und der Kreislauf beginnt von vorn.

Symptomatik

Die Läuse verursachen durch das Saugen direkte Schäden, die erheblich sein können. In der Regel sind aber die indirekten Schäden, wie Virenübertragung und Folgeerkrankungen wirtschaftlich noch bedeutsamer als die direkten Schäden. Durch das Saugen verkrümmen und verkümmern Triebspitzen, Blätter und Blüten. Der Saugschaden an den Blüten führt bis zu Hülsenabwurf und damit einer verminderten Hülsenzahl und einem geringeren Tausendkorngewicht. Zusätzlich können unter anderem das Scharfe Adernmosaikvirus (Pea Enation Mosaic Virus, PEMV), und das in 2016 erstmals großflächig auftretende Nanovirus (Pea Necrotic Yellow Dwarf Virus, PNYDV) übertragen werden. Außerdem siedeln sich auf den sehr zuckerhaltigen Exkrementen der Läuse, dem sogenannten Honigtau, häufig Schwärzepilze an, die zu verminderter Photosynthese und damit zu verringerter Leistungsfähigkeit der Pflanzen führen können.

Wenn die Blattläuse sich nur langsam vermehren, können häufig ihre natürlichen Gegenspieler wie beispielsweise Marienkäferlarven, Schwebfliegenlarven, Schlupfwespen und bestimmte Pilze die Blattlauspopulation klein halten. Bei „blattlaus-freundlichen Bedingungen“, das heißt ab 18°C und einer Luftfeuchte von 80% kann es zu Massenvermehrung der Läuse kommen. Diese können die natürlichen Gegenspieler nicht kompensieren. Regelmäßige Feldkontrollen sollten Gewissheit über die Situation auf den eigenen Flächen schaffen (siehe unten).

Bekämpfung im biologischen Anbau

Im ökologischen Anbau ist auch bei den Erbsen und Ackerbohnen ein vorausschauendes Planen des Anbaus wichtig. Es gibt Hinweise darauf, dass Winterformen der Erbsen und Bohnen für Blattläuse weniger attraktiv erscheinen. Ebenso gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Erbsen im Gemengeanbau mit einem Getreidepartner weniger von Blattläusen befallen werden als Reinbestände. Sinnvoll zu bewerten ist eine möglichst weite Entfernung der Körnerleguminosen-Schläge von Kleegras- und Luzerneschlägen, um ein Einwandern der Läuse in die Körnerleguminosen zu erschweren. Die Berücksichtigung der genannten Gesichtspunkte sind die im praktischen Öko-Anbau oft umgesetzten Maßnahmen. Da nur wenige ökologisch wirtschaftende Ackerbau-Betriebe über eine Pflanzenschutzspritze verfügen und ein Einsatz zugelassener Spritzmittel auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sein muss, kommt der Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmitteln im Bereich Erbse und Ackerbohne gegen Blattläuse nur selten vor, dennoch sollen im Folgenden die hauptsächlich in Frage kommenden Wirkstoffe kurz vorgestellt werden:

Die für den ökologischen Anbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kaliseife und Rapsöl sind Kontaktmittel und sollten deshalb mit leistungsfähiger Spritztechnik ausgebracht werden. Ob eine ökologisch zulässige Pflanzenschutz-Maßnahme eine Virusausbreitung verhindern kann, ist bisher noch nicht bekannt. Auch bei ökologischen Pflanzenschutzmitteln ist stets auf die aktuelle Zulassungssituation zu achten:

Informationen zu aktuellen Zulassungen und Anwendungsbestimmungen sind in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verfügbar: https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp.

Bei Mitgliedern von Bio-Verbänden ist zudem zu prüfen, ob die jeweiligen Verbands-Richtlinien das entsprechende Mittel auch zulassen.

Bekämpfung im konventionellen Anbau

Dr. Krüssel vom Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen hat aufgrund aktueller Erkenntnisse zu Nanoviren und Blattläusen eine Strategie zur Blattlausüberwachung in Erbsen und Bohnen veröffentlicht, die im Folgenden auszugsweise wiedergegeben wird:

Im vergangenen Jahr 2016 sind in Leguminosen in ungewöhnlichem Ausmaß blattlausübertragbare Viruskrankheiten aufgetreten. Für die Virusübertragung in Leguminosen sind nach bisherigen Erkenntnissen die Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum), die Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) und die Grüne Pfirsichblattlaus relevant. Weil insbesondere frühe Virusinfektionen zu stärkeren Schäden führen können, sind in Ergänzung zu den Hinweisen aus der amtlichen Schaderregerüberwachung eigene, intensive Bestandeskontrollen unumgänglich.

In Ackerbohnen wird zur Ermittlung des Befalls mit Erbsenblattläusen empfohlen, an mindestens fünf Stellen des Bestandes die oberen 25 bis 30 cm der Pflanzen in eine Schale, z.B. Gelbschale (oder behelfsmäßig ein weißes Blatt Papier) abzuklopfen, denn Zählungen an der Pflanze sind wegen der starken Fallreaktion der Erbsenblattläuse bei Störungen schwierig. In Erbsen sollten vom Feldrand oder von der Fahrgasse aus die Schalen an mind. fünf Stellen vorsichtig auf den Boden zwischen die Pflanzen geschoben werden, so dass die Läuse beim Schütteln hineinfallen.

Eine Schwelle für die Bekämpfung von Erbsenläusen als Virusvektoren in Leguminosen gibt es zurzeit nicht. Die bisher bekannte Bekämpfungsschwelle ist ausschließlich auf die Vermeidung von Saugschäden ausgerichtet. Werden an einer Boniturstelle Blattläuse gefunden, sollte zur Vermeidung von Virusinfektionen vorsorglich eine Behandlung mit einem zugelassenen Insektizid erfolgen.

Es sind unterschiedliche Insektizide am Markt. Aus Resistenzmanagementgründen wird häufig der Einsatz von Pirimor Granulat (Zulassungsende: 31.07.2017, Stand 24.05.2017) empfohlen. Bei Mischungen mit anderen Pflanzenschutzmitteln kann es zu einer Veränderung der Bienenschutzauflagen kommen, daher sollten die Einstufung der Produkte sorgfältig beachtet werden.

Wie bei allen Pflanzenschutzmitteln ist stets auf die aktuelle Zulassungssituation zu achten. Informationen zu aktuellen Zulassungen und Anwendungsbestimmungen sind in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verfügbar: https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp.

 

Text: Ralf Mack

Durchsicht: Katrin Stevens und Irene Jacob

 

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Literaturtipps

Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe, Ausgabe 20-17/2017, S. 40

Kartoffel-Blattlauswarndienst Nr 1 , 4.5.2017, Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – Sachgebiet Zoologie, Leiter: Dr. Krüssel