Winterackerbohne – Anbautelegramm

Unterschiede gegenüber der Sommerackerbohne

Winterackerbohnen haben im Frühjahr einen Wachstumsvorsprung und kommen früher zur Blüte, dadurch besitzen sie eine bessere Unkrautunterdrückung und sind weniger anfällig gegenüber der Schwarzen Bohnenlaus. Bei guten Wachstumsbedingungen kann es allerdings schneller zu Problemen mit der Standfestigkeit der Bohnen kommen.

Wenn Winterackerbohnen zum Ertrag kommen, sind sie potentiell ertragsstärker als Sommerackerbohnen. Der kritische Faktor bei Winterackerbohnen ist die Härte und Dauer des Winters in Kombination mit Schneebedeckung oder mit Kahlfrösten. Mit Frühsommertrockenheit hingegen kommen sie gut zurecht. So passen sie bestens in ein Szenario mit mildem Winter und ausgeprägter Frühsommertrockenheit. Auf schweren Böden, die im Frühjahr schwer bearbeitbar sind, können Winterackerbohnen eine sinnvolle Alternative sein.

Standortanforderungen

Schwere Böden mit neutralem pH-Wert oder mittelschwere, tiefgründige Böden mit gutem Wasserhaltevermögen oder leichte Böden mit Grundwasseranschluss sind für den Winterackerbohnenanbau geeignet. Der pH-Wert sollte zwischen 6,2 und 7,5 liegen. Sie vertragen Fröste bis maximal -15°C, abhängig von der Abhärtungsphase. In kalten Wintern ohne Schneebedeckung besteht Auswinterungsgefahr. Winterackerbohnen haben einen hohen Wasserbedarf (mehr als 500mm/Jahr). Die Wasserversorgung ist vor allem während Blüte und dem Hülsenansatz sehr wichtig. In Wasserschutzgebieten sollte ihr Anbau mit der Unteren Landwirtschaftsbehörde abgeklärt werden.

Standortanforderungen Bohnen Allgemein

Bodenbearbeitung

Die Bodenbearbeitung zur Aussaat kann grundsätzlich wie zu Getreide erfolgen. Schmierschichten oder Schadverdichtungen durch Bodenbearbeitung bei zu feuchtem Boden wirken ertragsreduzierend. Steinige Böden sollten vor der Saat angewalzt werden, um den späteren Mähdrusch zu erleichtern. Pflugloser Anbau ist je nach Standort möglich.

Aussaat

Die Aussaat von Winterackerbohnen erfolgt regional unterschiedlich vom 20.September bis 31. Oktober. Entscheidend hierbei ist, dass nach der Saat noch mindestens 4-6 Wochen Vegetationszeit zur Verfügung stehen. Die Bohnen sollten vor dem Winter 4-6 ausgebildete Laubblätter und eine maximale Pflanzenhöhe von 5-8 cm haben.

Ideal für die Aussaat von Ackerbohnen ist die Einzelkornaussaattechnik, normale Getreidetechnik ist auch möglich, wobei hier aber nicht immer zuverlässig die ideale Ablagetiefe erzielt wird. Auf leichten Böden sollte 10 cm tief, auf schweren Böden 8 cm tief ausgesät werden. In der Reihe kann mit Getreideabstand gedrillt werden. Wenn Einzelkorntechnik zum Einsatz kommt, wird weiter gesät: ca. 25-30 cm. Gleiches gilt für den ökologischen Einbau, wenn Maschinenhacken zum Einsatz kommen sollen.

Die Saatstärke bei Winterackerbohnen ist niedriger als bei Frühjahrsaussaaten, da sie im Frühjahr bestocken. Sie liegt zwischen 18 keimfähigen Körnern / m² (bei günstige Saatbedingungen) und 23 keimfähigen Körner / m² (bei ungünstigen Saatbedingungen).

Aussaat Bohnen Allgemein

Fruchtfolge

Geeignete Vorfrüchte für Winterackerbohnen sind: Mais, Getreide, Ackergras oder Hackfrüchte. Andere Futter- oder Körnerleguminosen im Haupt- oder Zwischenfruchtbau, Sonnenblumen oder Raps sind ungeeignet. Als Nachfrüchte können Wintergetreide, Kartoffeln oder Mais angebaut werden. Ackerbohnen hinterlassen einen garen Boden für die Nachfrucht und es werden etwa 40-80 kg N pro ha nachgeliefert. Anbaupausen von 5 Jahren sollten eingehalten werden, ansonsten besteht die Gefahr der Übertragung von Fußkrankheiten (wie z.B. Fusarium oder Rhizoctonia)

Sortenwahl

Züchterisch ist die Winterackerbohne noch am Anfang, so ist in der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes für 2016 nur die buntblühende Sorte Hiverna (Saatzucht H. Littmann KG - tannin, vicin- und convicinhaltig) eingetragen. Sie besitzt die für einige Gebiete in Deutschland nötige Winterhärte. (Saatgutbezug über Naturland Markt, Partner Bio und Raiffeisen / Saaten Union). Sorten aus dem EU-Ausland (hauptsächlich aus Frankreich) wurden 2015 in Deutschland nicht vermehrt.

Gemengeanbau

Die Ackerbohne kann gut im Gemenge mit Wintergetreide angebaut werden, vorzugsweise wird hier Winterweizen als Gemengepartner eingesetzt, Triticale ist ebenfalls möglich. Beim Gemengeanbau wird eine getrennte Saat der beiden Kulturen empfohlen, um die Ablagetiefen beider Kulturen einhalten zu können. Beim Gemengeanbau wird die Ackerbohne noch um 150-200 keimfähige Körner Winterweizen/m² ergänzt, das entspricht je nach TKG 65-100 kg Weizen/ha.

Düngung (nach guter fachlicher Praxis)

Pro Dezitonne Erntegut werden ca. 1,5 kg P2O5, 4 kg K2O und 0,5 kg MgO je Hektar entzogen. Bei einer Grunddüngung nach Entzug, bei mittlerer Bodenversorgung und mittlerer Ertragserwartung können unter Berücksichtigung der Nachlieferung der Vorfrucht ca. 40-60 kg P2O5, 100-130 kg K2O und 20-50 kg MgO/ha gedüngt werden.

Ackerbohnen bevorzugen einen möglichst neutralen pH-Wert, bei Bedarf sollte der Boden daher gekalkt werden. Eine Stickstoff-Düngung ist nicht nötig.

Pflanzenschutz (in Abstimmung mit örtlichem Pflanzenschutzdienst)

Vor allen Einsätzen von Pflanzenschutzmitteln sollte die aktuelle Zulassungssituation in Absprache mit der regionalen Pflanzenschutzberatung kontrolliert bzw. selbst geprüft werden: BVL: Pflanzenschutzmittel

Herbizidanwendungen sind im Vorauflauf möglich, teilweise auch im Nachauflauf. Im Frühjahr hat sich der Striegeleinsatz bewährt.

Die Schwarze Bohnenlaus tritt in Winterackerbohnen seltener auf als in Sommerackerbohnen. Schokoladenfleckigkeit kommt häufig vor, Brennfleckenkrankheit nur gelegentlich, sie wird durch Saatguthygiene in der Regel unterbunden.

Ernte

Die Ernte von Winterackerbohnen findet wie bei Sommerackerbohnen in der Regel zwischen Mitte bis Ende August statt. Hierbei sollte mehr als die Hälfte der Hülsen schwarz sein, der Rest braun. Höchstens 10 % der Hülsen sollte noch grün sein.

Folgende Kornfeuchten sollten angestrebt werden:

  • Futterverwendung: 15-17 %
  • Saatgut: 17-21 %

Wenn die Feuchtigkeit der Körner über 24 % liegt, ist der Anteil an gequetschten Bohnen hoch, unter 14 % steigt der Bruchkornanteil stark an.

Bei sehr trockenem Bestand sollte in den frühen Morgen oder späten Abendstunden gedroschen werden, wenn die Bohnen etwas Luftfeuchte gezogen haben. Im konventionellen Anbau sind Sikkationsmittel möglich, dabei sind die entsprechenden Auflagen und Wartezeiten bei der Verwendung als Futtermittel zu beachten. BVL: Pflanzenschutzmittel

Trocknung und Aufbereitung

Eine Trocknung ist nötig, wenn bei Kornfeuchten über 17 % gedroschen wird. Vor der Trocknung sollten grüne Pflanzenteile in der Vorreinigung unmittelbar nach der Ernte entfernt werden. Bei Futterware sollten pro Trocknungsgang maximal 4 % Wasser entzogen werden, bei Vermehrungsmaterial maximal 2,5 % Wasser pro Trocknungsgang. Jeder weitere Trocknungsdurchgang sollte erst nach 2-3 Tagen erfolgen, damit die Feuchte im Korn von innen nach außen ziehen kann. Bei Futterware die Trocknungstemperatur auf 50 °C begrenzen, bei Saatgut auf 40°C, bei Wassergehalten über 22 % auf 36 °C. Nach der Trocknung ist eine Rückkühlung auf 20 °C erforderlich.

Text: Ralf Mack

Durchsicht: Ulrich Quendt, Werner Vogt-Kaute, Kerstin Spory

 

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Literaturtipps

Völkel G. & Vogt-Kaute W., 2013: Körnerleguminosen in der Fruchtfolge, in Körnerleguminosen anbauen und verwerten, Hrsg. KTBL