Sommerackerbohnensorten 2016

Kommentar zu den Landessortenversuchen

Zurück zur Sortenübersicht Ackerbohnen

Ackerbohnen sind  für die Ertragsbildung auf eine gute Wasserversorgung auf mittelschweren bis schweren Böden mit guter Bodenstruktur angewiesen. Besonders wichtig ist die regelmäßige und ausreichende Wasserversorgung zur Keimung und vom Blühbeginn bis zum Ende der Kornausbildung. Hitze und Trockenheit kann zum Abfallen der Blüten oder zu reduzierter Kornausbildung führen. Der Wetterverlauf am jeweiligen Standort kann demnach einen erheblichen Einfluss auf die Erträge verursachen, weshalb eine Sortenauswahl sinnvollerweise mehrjährige Relativerträge und weitere Merkmale am jeweiligen Standort zur Basis haben sollte. Diese sind in den meisten Veröffentlichungen der Landessortenversuche angegeben und können dort eingesehen werden. Neu in 2016 war auch das erstmalige Auftreten von Nanoviren (PNYDV), das häufig in Mischinfektionen mit dem weit verbreiteten Erbsen-Enationenmosaikvirus (PEMV) auftrat. Besonders aus diesem Grund sollten 2017 die Bestände regelmäßig im Hinblick auf Blattlausbefall kontrolliert werden. An manchen Standorten führten die Wetterbedingungen und vereinzelt auch Nanoviren zu reduzierten Erträgen. An Standorten mit günstigen Wasser- und Temperaturverhältnissen und ohne verstärkten Krankheitsdruck, wie in weiten Teilen Süddeutschlands oder Sandstandorten an der Küste Niedersachsens, konnten in 2016 gute Erträge realisiert werden.

Sortenwahl Ackerbohne

Bei der Sortenwahl der Ackerbohne ist zunächst entscheidend, ob die Bohne gezielt für den Einsatz in der Ration für eine bestimmte Tierart angebaut wird oder als reine Marktfrucht. Für eine exakte Rationsplanung empfiehlt sich grundsätzlich eine Analyse aller Rationskomponenten, da die Unterschiede zwischen einzelnen Sorten, Jahren und Standorten zu groß sind, um mit Standardwerten eine zuverlässige Versorgung der Tiere sicherstellen zu können. Die überwiegende Mehrzahl der Ackerbohnen weisen Anthocyanfärbungen in der Blüte oder auf der Blattunterseite auf. Diese Merkmale weisen daraufhin, dass diese Ackerbohnen Tannine enthalten. Mittlerweile stehen aber auch weißblühende Sorten ohne Anthocyanverfärbung und damit tanninfreie Sorten, wie Taifun, zur Verfügung.  Wo Ackerbohnen in Schweinerationen eingesetzt werden, begrenzt der natürliche Tanningehalt der meisten Sorten den Anteil in der Gesamtration, da ab einem bestimmten Maß die bitter schmeckenden Tannine die Futteraufnahme der Schweine reduzieren. Daher wählten viele schweinehaltende Betriebe mit eigenem Futteranbau in der Vergangenheit Taifun als zwar im Ertrag weniger leistungsstarke und nicht sehr stabile, dafür aber tanninfreie Sorte, um gleichbleibende Futteraufnahme bei relativ hohem Ackerbohnenanteil in der Ration zu erreichen. Je nach Tiergruppe ergeben sich unterschiedliche Mengengrenzen für die Ration. Durch das Schälen tanninhaltiger Sorten kann der Gehalt dieses Stoffes reduziert werden, da Tannine hauptsächlich in der Ackerbohnenschale sitzen. Möglichst gleichmäßig große Körner mit hohem Tausendkorngewicht ermöglichen dabei eine gute Ausbeute.

Weitere antinutritive Inhaltsstoffe mit Relevanz in der Tierernährung sind Vicin und Convicin. Diese haben negative Auswirkungen auf die Mast- und Legeleistung von Geflügel. Aktuell sind einige wenige Sorten, die einen geringen Gehalt an Vicin und Convicin haben, am Markt verfügbar. In der Vergangenheit war als einzige vicin- und convicinarme Sorte die relativ wenig ertragsstabile Sorte Divine verfügbar. Mit Tiffany ist nun seit Ende 2015 eine ebenfalls vicin- und convicinarme Sorte verfügbar, die flächendeckend auch im 2. Prüfjahr 2016 häufig deutlich überdurchschnittliche Erträge und Eiweißgehalte zeigte, gut in Hühnerrationen verwendet werden kann und bereits jetzt die am dritthäufigsten vermehrte Ackerbohne in Deutschland ist.

In der Rinderfütterung spielen die antinutritiven Stoffe eine untergeordnete Rolle und die Ackerbohnen können sortenunabhängig zu durchaus erheblichen Mengen in der Ration eingesetzt werden. Vicin und Convicin wirken sich bei Rindern nicht leistungsmindernd aus und Tannine haben bei Rindern auch den durchaus gewünschten Effekt, dass sie die Pansenfermentation stabilisieren.

 

Text: Ralf Mack

Durchsicht: Werner-Vogt-Kaute, Ulrich Quendt, Irene Jacob

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