Sommerkörnererbsensorten 2016

Kommentar zu den Landessortenversuchen

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Insgesamt blieben die Erträge bei den Sommer-Körnererbsen in 2016 aufgrund der Niederschlags- und Temperaturmenge und -verteilung hinter denen des Vorjahres zurück. Die für die geringeren Erträge ursächlichen Faktoren sind teilweise kühle Temperaturen im Frühjahr, hohe Temperaturen zur Blüte, ausbleibendes Wasser zu Blüte und Kornfüllung und vereinzelt Niederschläge in der Abreifephase . Dies führte auf einigen Standorten zu untypischen Ergebnissen. Neu in 2016 ist das Auftreten des Nanovirus (PNYDV), wobei am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig häufig Mischinfektionen mit dem weit verbreiteten Scharfen Adernmosaikvirus (PEMV) nachgewiesen wurden, was eine Eingrenzung der Schadwirkung des Nanovirus erschwert. Wo die klimatischen Rahmenbedingungen günstig waren, konnten die Erbsen auch in 2016 gute Ergebnisse erzielen.

Temperatur und Wasserverfügbarkeit sind auf den meisten Standorten nicht beeinflussbar, daher bleibt die Sortenwahl eine der zentralen Einflussgrößen beim Körnererbsenanbau. Dabei stehen zunächst mit den Faktoren Bestandeshöhe und Lagerneigung die Faktoren im Vordergrund, welche die Standfestigkeit beeinflussen und damit auch die Beerntbarkeit. Die beste Qualität bringt wenig, wenn die Ernteverluste lagerbedingt hoch sind. Da die Ertragsstabilität wesentlich mit der Standfestigkeit zusammenhängt, lässt diese sich durch keinen anderen Parameter kompensieren.

Ertragshöhe, Rohproteingehalt, Rohproteinertrag, Reife und Tausendkornmasse sind weitere wichtige Faktoren. Aus Ertragshöhe und Rohproteingehalt errechnet sich der Rohproteinertrag, der vor allem für Betriebe interessant ist, die die Erbse selbst verfüttern. Die Unterschiede im Rohproteinertrag und –gehalt können erheblich sein, wie aus den jeweiligen Sortenversuchen hervorgeht. Aufgrund dieser Unterschiede ist bei der Rationsplanung grundsätzlich eine Analyse der Einzelkomponente Erbse empfohlen. Beim Faktor Ertragshöhe sollte darauf geachtet werden, dass die Sorte sich in dieser Hinsicht stabil verhält. Für diese Einschätzung eignen sich mehrjährige Relativwerte besser als einjährige absolute Erträge. Die mehrjährigen Relativwerte werden in den meisten Veröffentlichungen der Landessortenversuche mit angegeben und sollten bei der Sortenwahl berücksichtigt werden. Als Vorteil einer kleineren Tausendkornmasse wird gelegentlich ein günstigerer Einkaufspreis für das Saatgut genannt. Wie oben gesagt, sollte bei der Sortenwahl jedoch immer der Faktor Standfestigkeit an erster Stelle stehen.

Die meisten Sommer-Körnererbsen sind weißblühend, im Ökolandbau werden auch buntblühende Sorten angeboten, dabei handelt es sich überwiegend um Grünfuttererbsen, deren Hauptverwendung aufgrund des sehr hohen Massenertrages im Hinblick auf die Gesamtpflanze im Zwischenfruchtanbau oder der Grünverfütterung liegt. Wenn grün verfüttert wird, werden die Erbsen häufig auch im Gemenge mit einem Getreidepartner angebaut, was die Standfestigkeit positiv beeinflusst. Grünfuttererbsen können auch gedroschen werden, bleiben ertraglich aber sehr weit hinter Körnererbsen zurück und haben aufgrund der deutlich kleineren Körner einen wesentlich höheren Schalenanteil, was die Einsetzbarkeit in der Fütterung stark begrenzt. Die häufigsten Sorten der in Deutschland vermehrten Sommer-Grünfuttererbsen sind der Vermehrungsfläche nach Livioletta, Dolores, Florida, Lisa und Susan.

Als einzige weißblühende Körnererbse mit voll ausgebildeten Blättern und damit erhöhter Unkrautunterdrückung nimmt die Sorte Protecta im Biobereich eine Zwischenstellung zwischen den Körnererbsen und den sehr massebetonten Grünfuttererbsen ein.

Winterkörnererbsen

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Text: Ralf Mack

Durchsicht: Werner-Vogt-Kaute, Ulrich Quendt, Irene Jacob