Erbsen in der Fütterung

Der Anbau von Erbsen hat durch das Greening auch in der konventionellen Landwirtschaft wieder an Bedeutung gewonnen. Sie können in der Fütterung Sojaextraktionsschrot zum Teil ersetzten. Im ökologischen Landbau werden Erbsen schon lange erfolgreich in Futtermischungen eingesetzt.

Inhaltsstoffe

Die Nährstoffgehalte der Erbsen können je nach Standort und Sorte schwanken. Sie sind reich an Stärke und liegen im Rohproteingehalt knapp hinter den Ackerbohnen. Die Qualität des Rohproteins wird durch die Aminosäuren bestimmt. Dabei sind die Erbsen reich an Lysin, aber relativ arm an Methionin und Cystin. Der begrenzende Faktor für den Einsatz von Erbsen in Rationen für Geflügel und teilweise für Schweine ist der niedrige Gehalt an Methionin. Die Verdaulichkeit der Aminosäuren liegt im guten Bereich. Die Mineralstoffgehalte ähneln den Gehalten in Getreide. Erbsen sind reich an Phosphor, aber arm an Calcium und Natrium. Der Phosphor ist zum Teil an Phytin gebunden, was die Aufnahme ohne Zusatz des Enzymes Phytase verringert.

Nährstoffgehalte von Ackerbohnen und Erbsen im Vergleich zu Sojaschrot (je kg Futtermittel)

Inhaltsstoff (bei 88% TS)

Einheit

Ackerbohnen

Erbsen

Sojaextraktions-schrot 43*

ME Schwein

MJ

12,66

13,63

12,9

ME Geflügel

MJ

10,75

11,03

9,81

ME Rind

MJ

12,0

11,8

12,1

NEL Rind

MJ

7,6

7,5

7,6

Rohprotein

g

263

228

442

Lysin

g

16,9

15,9

26,7

Methionin

g

2,1

2,1

5,9

Cystin

g

3,1

3,3

6,5

Threonin

g

9,2

8,2

17,1

Tryptophan

g

2,3

2,0

5,9

Rohfett

g

14

13

12

Rohfaser

g

79

57

70

Stärke

g

362

420

62

Zucker

g

35

54

95

Rohasche

g

35

31

59

Ca

g

1,4

0,8

2,7

P

g

4,2

4,2

5,7

Na

g

0,2

0,2

0,3

K

g

11,4

9,7

19,0

Cu

mg

11

7

17Zn

 

mg

40

21

62

*43% Rohprotein

Quellen: LfL, 2011, Bellof et al, 2013, Weindl/Bellof, 2016, ergänzt durch weitere Analysen

Antinutritive Stoffe

Der wichtigste antinutritive Inhaltsstoff der Erbse ist das Tannin. Tanninhaltige Sorten sind leicht an einer bunten Blüte sowie einer dunkleren Kornfärbung zu erkennen. Nur wenige Erbsensorten enthalten Tannine. Die Tannine reduzieren durch ihren etwas bitteren Geschmack die Futteraufnahme. Weitere unerwünschte Eigenschaften der Tannine wie die verminderte Rohproteinverdaulichkeit und Bindung von Enzymen spielen nur bei hohen Einsatzmengen eine Rolle. Weitere antinutritive Inhaltsstoffe der Erbse wie Lektine, Proteaseinhibitoren und Oligosaccharide müssen nur bei sehr hohen Einsatzmengen berücksichtigt werden und spielen in der Praxis daher keine Rolle.

Thermische Behandlung

Tannine sind relativ hitzebeständig. Durch Einweichen kann ein Teil der Tannine gelöst werden. Durch thermische Behandlung kann der Anteil an Oligosacchariden reduziert werden. Beim Erhitzen besteht grundsätzlich die Gefahr der Überhitzung, die zu einer Zerstörung der Aminosäuren führen kann. Für die Rinderfütterung kann der Anteil von pansenbeständigem Eiweiß (UDP) durch hydrothermische Behandlung deutlich erhöht werden.

Mechanische Behandlung

Da die Tannine hauptsächlich in der Schale sitzen, können sie durch Schälen deutlich vermindert werden. Außerdem kann damit der Gehalt der Aminosäuren etwas erhöht werden.

Einsatzgrenzen für Erbsen in der Fütterung von Schweinen, Geflügel und Rindern in %

Tiergruppe

Weißblühende Erbsen

Buntblühende Erbsen

Ferkel

10

0

Zuchtsau

10 – 20

0 -10

Mastschwein

je nach Alter 20 - 30

je nach Alter 10 - 15

Legehenne

25

10

Masthähnchen

je nach Alter 10 - 30

je nach Alter 0 – 10

Mastpute

je nach Alter 10 - 30

je nach Alter 0 – 20

Rind

50%  der Eiweißträger bzw. 4 kg für Milchkuh pro Tier und Tag

50%  der Eiweißträger bzw. 4 kg für Milchkuh pro Tier und Tag

Quellen: Weindl/Bellof 2016, LfL 2013, eigene Erhebungen

Neben den Einsatzgrenzen für Erbsen an sich haben die sonstigen Komponenten in der Futtermischung einen Einfluss auf die Obergrenze und die sinnvolle Einsatzmenge. Durch den Einsatz von Erbsen können je nach Ration die Anteile von antinutritiven Stoffen in der Gesamtration, z.B. Nicht-Stärke-Polysaccharide (NSP) aus Ölkuchen, verringert werden.

Erbsen in der Rinderfütterung

Tannine können durch ihren etwas bitteren Geschmack die Futteraufnahme beeinträchtigen. Andererseits sorgen sie für etwas mehr pansenstabiles Eiweiß. Der Einsatz von tanninhaltigen Sorten ist insbesondere bei höherer Milchleistung daher gut möglich, aber es sollte die Futteraufnahme beobachtet werden. Auch bei Kälbern sollte beim Einsatz tanninhaltiger Sorten die Futteraufnahme beobachtet werden.

Die Pansenverfügbarkeit der Stärke und des Eiweißes der Erbse ist mit zirka 85 Prozent relativ hoch. Die Ration muss daher auch Komponenten mit einer höheren Pansenstabilität enthalten. Durch hydrothermische Behandlung kann der Anteil von pansenbeständigem Eiweiß verdoppelt werden.

Bei mittlerer Milchleistung können bis zu 4 kg pro Kuh und Tag gefüttert werden. Auch bei hoher Milchleistung reichen Erbsen gut für die Grundabdeckung. Sie müssen aber mit höherwertigen Komponenten kombiniert werden, sodass die Einsatzmenge je nach Fall auf 2 kg pro Kuh reduziert werden sollte.

Erbsen in der Schweinefütterung

Erbsen werden in der Schweinefütterung aufgrund ihres hohen Lysingehaltes gerne eingesetzt. Knapp ist dagegen der Gehalt an Methionin, sodass eine Kombination mit einem methioninreicheren Futtermittel ideal ist: im Ökolandbau z. B. Kartoffeleiweiß, im konventionellen Landbau z. B. synthetisches Methionin.

Der geringe Anteil von Polyensäuren, die oft im Ölkuchen enthalten sind, sorgt in der Schweinemast für einen festen und hellen Speck, der gewünscht ist.

In der Flüssigfütterung liegen unterschiedliche Erfahrungen vor. Manche Praktiker berichten, dass das Futter schlechter gefressen wurde. Es gibt aber auch Betriebe, die in der Flüssigfütterung problemlos sehr hohe Anteile an Erbsen verfüttern, bis zu 30 Prozent. Es ist zu beachten, dass sich das Fließverhalten des Futters durch Zugabe von Erbsen ändert und das Futter auch schäumen kann.

Erbsen in der Geflügelfütterung

Der Einsatz von Erbsen bei Geflügel wird durch den Methioningehalt begrenzt, noch mehr als beim Schwein. Diese Grenzen greifen außer beim Tannin vor den antinutriven Inhaltsstoffen. Dennoch liegt der Methioningehalt der Erbsen mehr als 20 Prozent über dem der meisten Getreidearten. Das bedeutet, dass durch den Einsatz von Erbsen der Anteil von anderen Eiweißkomponenten etwas reduziert werden kann, z. B. Ölkuchen, Extraktionsschrote, Maiskleber, synthetische Aminosäuren. Es kann ein höherer Anteil von eigenen oder einheimischen Rohstoffen genutzt werden.

Text: Werner Vogt-Kaute

 

Text als PDF zum Ausdruck

Newsletter bestellen

Sie möchten aktuelle Nachrichten und Hinweise aus dem Demonetzwerk Erbse/Bohne erhalten? Dann nutzen Sie unseren Newsletter-Service.
Anmeldung

Literaturtipps

Jeroch, H,; Lipiec,A.; Abel, H.; Zentek, J.; Grela E. und Bellof, G. 2016: Körnerleguminosen als Futter- und Nahrungsmittel, DLG-Verlag

Bellof, G.; Aulrich, K.; Weiß, J. 2013: Körnerleguminosen in der Fütterung, in: Körnerleguminosen anbauen und verwerten, Hrsg.: KTBL