Saatgutaufbereitung von Körnerleguminosen

Saatgutherstellung beginnt schon beim Mähdrusch

Körnerleguminosen sind empfindlich. Gerade die Mähdreschereinstellung ist mitentscheidend für keimfähiges Saatgut. Möglichst offener Dreschkorb, langsame Trommeldrehzahl, weit geöffnete Siebe und starke Windeinstellung sind die Voraussetzungen für die gute Saatgutqualiät.  Vergessen werden darf auch nicht, dass bei der Saatgutvermehrung der Mähdrescher absolut sauber sein muss. Beim Lohndrusch sollte dies beachtet werden. Vermischte Ackerbohnen und Soja oder Erbsen können durch eine Siebreinigung später nicht mehr getrennt werden. Fotozellenausleser könnten hier zwar weiterhelfen, schlagen aber mit hohen Aufbereitungskosten zu Buche.

Kälte und hohe Fallhöhen – Ein No-Go für die Aufbereitung

Wer Saatgut aus seinen Körnerleguminosen herstellen möchte, sollte vor allem eines beachten: Weder Erbsen noch Ackerbohnen mögen Fallhöhen von mehreren Metern. Damit die Keimfähigkeit von Leguminosen erhalten bleibt, dürfen diese beim Einlagern nicht tief fallen. Auch eine Verladung oder Reinigung bei Minusgraden kann sich negativ auf die Keimfähigkeit auswirken. Werden Körnerleguminosen an dieser Stelle unsachgemäß behandelt, so können Risse an den Körnern entstehen. Mit bloßem Auge sind diese nicht zu erkennen, wirken sich aber auf den Keimling nachteilig aus.

Siebreinigung – Standard für Saatgutaufbereiter

Wer Körnerleguminosen im ökologischen Landbau sauber reinigen möchte, der braucht eine gut funktionierende Saatgutreinigung. Bei dieser werden durch unterschiedliche Sieblochgrößen Körnerleguminosen von anderen Bestandteilen (wie z.B. Getreide, Wicken oder Bruchkorn usw.) getrennt. Saatgutreinigungen verfügen auch über einen Vor- und Nachsichter. Durch das hohe Gewicht der Körnerleguminosen werden leichte Teile wie Distelsamen aus der Ware herausgereinigt. Wichtig für jede Ware, die einige Zeit im Silo lagert ist, dass sie trocken eingelagert wird. Das heißt auch: feuchte Unkrautsamen wie Kamille oder Disteln müssen zwingend vor dem Einlagern herausgereinigt werden. Verschiedene Siebe mit unterschiedlichen Lochgrößen ermöglichen die Reinigung zahlreicher Leguminosen- und Getreidearten zur Saatgutvermehrung.

Aberkennungsgrund: Ackerbohnen- und Erbsenkäfer

Lebende Käfer im Saatgut sind ein Aberkennungsgrund für die Leguminosen. Saatgutvermehrung ist also auch häufig eine Frage des Standortes. Werden in der Region viele Ackerbohnen angebaut und herrschen angenehme bis hohe Temperaturen während der Vegetationszeit, so können hier vermehrt Käfer in den Bohnen vorkommen. Saatgutvermehrer müssen dann entweder die Ware mit CO2 entwesen oder in großen Kühlhäusern einfrieren. Wird im Eigennachbau Saatgut mit Käferbefall verwendet, ist mit einer teils stark verminderten Keimfähigkeit zu rechnen.

Die Käfer sind übrigens reine Freilandschädlinge und vermehren sich nicht im Lager, überwintern aber im Inneren des Samenkorns oder im Freiland, bspw. in Gehölzstrukturen, und fliegen etwa im Mai neue Bestände an, wo sie im Sommer ihre Eier an die Hülsen ablegen. 

Ackerbohnenkäfer

Erbsenkäfer

Text: Julia Herrle

Durchsicht: Irene Jacob, Werner Vogt-Kaute

 

 

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