Ernte

Ackerbohnen haben eine gute Vorfruchtwirkung und auf günstigen Standorten eine nicht zu unterschätzende Wettbewerbskraft. Sie ordnen sich gut als spätreifende Frucht in den Ernteverlauf ein, wenn sich nicht frühe Sorten mit spätem Weizen überschneiden.

Erntezeitpunkt

Nach einer Wachstumszeit von etwa 25 Wochen wird bei Kornfeuchten zwischen 17 und 20 Prozent geerntet. Ackerbohnen haben nur eine sehr kurze Erntespanne von etwa drei bis vier Tagen auf Grund der Aufplatzneigung.

Der Erntezeitpunkt muss in der Phase der noch grünen Hülsen in der Spitze und der bereits ausfallenden Körner an der Basis mit viel Fingerspitzengefühl gewählt werden. In schwierigen Fällen ist im konventionellen Anbau eine Vorerntesikkation durchzuführen (Anmerkung der Redaktion).

Die Kornfeuchte vom Stängel ist aufgrund der unterschiedlich reifenden Hülsen schwer zu bestimmen. Ein Probedrusch gibt den besten Aufschluss über den günstigsten Erntetermin

Die Hülsen sollten schwarz sein und der Anteil der noch grünen Hülsen nicht über zehn Prozent betragen. Auch der Stängel sollte schwarz sein, damit er beim Durchgang durch die Maschine nicht schmiert.

Wegen der großen Aufplatzneigung bei zunehmender Erwärmung über den Tag, kann man die Vormittags- und Abendstunden zum Drusch nutzen bzw. Luftfeuchten über 70 Prozent.

Einstellung des Mähdreschers

Um die Aufnahme und Verarbeitung zu erleichtern, wird das Schneidwerk möglichst hoch gestellt, so dass es gerade unter den tiefsten Hülsen ansetzt. Ein breites Schneidwerk und eine hohe Fahrgeschwindigkeit fördern den Schnitt und Einzug.

Die Erschütterungen der Pflanze durch das Schneidwerk müssen gering gehalten werden, ansonsten platzen zu viele Hülsen auf und die Körner gehen verloren. Je nach Bestandesdichte und Halmneigung kann ein loses Eintauchen der Haspel von Vorteil sein, wobei die Umfangsgeschwindigkeit der Fahrgeschwindigkeit entspricht, um ein Zurückfallen der Stängel in den Bestand zu verhindern. Aber auch entgegengesetzt kann ein stärkeres Anpressen durch die Haspel vorteilhaft sein, um die Vibrationen des Messerwerkes nicht so stark auf die Halme zu übertragen.

Je üppiger der Bestand ist, desto größer wählt man den Abstand mit 22 bis 28 mm zwischen Bodenblech und Querförderschnecke, um die Förderwirkung des sperrigen Strohs zu verbessern. Jedoch darf der Abstand zu den unteren und hinteren Abstreifern auch nicht zu weit sein, sonst sind die Selbstreinigung und der Einzug gestört. Die Drehzahl des Schrägförderers wird auf niedrig gestellt, die Schachtkette läuft in der oberen Position.

Trommel, Dreschkorb, Siebe und Gebläse anpassen

Ackerbohnen sind sehr Bruchkorn­ anfällig. Schon bei zwei bis drei Prozent Bruchkorn ist auch der Großteil der übrigen Samen schon schwer geschädigt, so dass er anormal keimen kann.

Je nach Druschfähigkeit, Ertrag und Feuchte werden Trommeldrehzahlen mit Untersetzungsgetriebe von 350 bis 450 U/min benötigt. Bei feuchteren, üppigen Pflanzen, bei erschwerter Druschfähigkeit, erhöht man die Trommeldrehzahl um 50 bis 100 U/min bei trockenen, leichten Druschbedingungen verringert man die Dreschtrommeldrehzahl um ca. 50 U/min. Man sollte besser etwas Ausdruschverluste in Kauf nehmen als Körnerbruch.

Die Korbweite wird je nach Ausdrusch gewählt; im Allgemeinen sehr weit mit etwa 20 bis 25 mm. Bei ungleichmäßiger Abreife und großen Flächenanteilen ist ein Maiskorb vorteilhaft.

Das obere Klappensieb ist je nach Korngröße auf 13 bis 16 mm zu öffnen. Für die unteren Siebe sind Rundlochsiebe günstig mit 16 bis 20 mm je nach Korngröße. Die Lamellensiebe werden auf ca. 10 bis 12 mm geöffnet. Das Gebläse ist auf volle Leistung zu stellen und die Überkehr abzudecken, wenn es durch doppelten Umlauf zu erhöhtem Bruchkorn kommt.

Eine zügige, gleichmäßige Fahrgeschwindigkeit bringt Masse und Strohpolster in das Dreschwerk. Das schont das Korn. Darüber hinaus verringern sich die Schneidwerksverluste.

Mähdreschereinstellung bei Ackerbohnen

Arbeitsorgane

Bestandesbedingungen

Dreschtrommeldrehzahl (U/min)

bei Trommeldurchmesser

Ø 450 mm

Ø 600-610 mm

Rotordrehzahl

trocken

mittel

feucht

 

450 – 550

400 – 450

300 – 350

 

550 – 650

450 – 500

350 – 400

 

650 – 750

500 – 600

400 – 450

Korbeinlauf (mm)

Korbauslauf (mm)

28– 22

18 – 16

22 – 20

17 – 15

20 – 18

15 – 13

Obersieb (mm)

Verlängerung (mm)

Untersieb (mm)

11 – 13

13 – 15

8 – 10

13 – 16

15 – 17

10 – 12

16 – 17

17 – 19

12 – 14

Gebläse (U/min

mittel – stark

stark

stark

Tabelle: Feiffer, feiffer-consult

Verlustkontrolle vornehmen

Bei hoher Aufplatzgefahr drischt man nicht in den heißesten und trockensten Mittagsstunden.

Die Haspel ist mit Vorsicht einzusetzen und eventuell zu verkleiden.

Bei dünnem Strohteppich werden Hülsen und Samen durch die Mitnehmerfinger wieder herausgeschleudert. Eine hohe Fahrgeschwindigkeit bzw. eine Tischverlängerung schafft Abhilfe.

Bei mehr als 2 Prozent Bruchkorn ist die Trommeldrehzahl um schrittweise 30 bis 50 U/min zu senken. Fahrgeschwindigkeit und damit Durchsatz bzw. Strohpolster im Dreschwerk sollten erhöht werden. Die Samenkörner sind durch die Förderorgane im Mähdrescher starken Beanspruchungen ausgesetzt. Beim Abtanken kann man die Motordrehzahl drosseln, die Überkehr ist abzudecken.

Schüttler- und Reinigungsverluste treten vermehrt bei sehr trockenen Bedingungen auf, wobei die Schüttler und Siebe durch zerschlagenes Stroh verstopft und die Körner schlechter abgeschieden werden. Die Dreschtrommeldrehzahl ist zurückzunehmen, um Kurzstroh zu vermeiden.

Schüttlerverluste entstehen auch, wenn die Körner infolge zu geringen Strohanteils auf den Schüttler springen. Ein zweites Spritztuch kann das verhindern. Die Fahrgeschwindigkeit ist solange zu erhöhen bis ein Verlustwert von 0,5 bis 1 Prozent (entspricht 1 bis 2 Kästchen in der Prüfschale) erreicht sind.

 

Vorernteverluste

durchschnittlicher Ackerbohnenertrag: 37 dt/ ha; TKG: 550 g

Hülsen auf

¼ m² Ackerboden

Körner auf

¼ m² Ackerboden

Ausfallverlust

in Prozent

in kg/ ha

 

1

0,5

18

1

4

2,5

63

2

8

5

185

6

25

15

555

12

50

30

1110

Tabelle: Feiffer, feiffer-consult

 

 

Druschverluste

Verlustkörner in der Prüfschale oder auf ¼ m² Ackerboden bei

Schüttler- und Reinigungsverluste

 

 

 

 

bei 4 m
Schneidwerksbreite

bei 6 m
Schneidwerksbreite

bei 8 m
Schneidwerksbreite

Schwad-ablage

Stroh-verteiler

Stroh- Spreu-verteiler

in %

in kg/ ha

in %

in kg/ ha

in %

in kg/ ha

5

3

1

0,8

27,5

0,5

18

0,4

13,8

10

5

2

1,5

55,0

1

37

0,8

27,5

15

8

3

2,3

82,5

1,5

54

1,2

41,3

Tabelle: Feiffer, feiffer-consult

 

Autorin: Dr. Andrea Feiffer, feiffer consult

Der Beitrag ist im Original unter dem Titel „Vormittag und Abend zum Dreschen nutzen“ in der Ausgabe Nr. 30/2016 des Landwirtschaftlichen Wochenblatts - Hessenbauer, Pfälzer Bauer, der Landbote – erschienen.

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